Als Kind floh Jasminka vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien, wurde Profi-Kickboxerin und hat für Österreich mehrere Weltmeistertitel gewonnen. Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere gründete die geborene Serbin in einer alten Supermarkt-Halle ihr eigenes Kampfsportzentrum, pflanzte gemeinsam mit ihrer bosnischen Freundin dort einen Gemüsegarten und verwandelte den Ort in ein neues Zuhause: Bei ihr trainieren Profis Seite an Seite mit Anfängern und aus dem Krieg Vertriebene treffen auf die österreichische Landbevölkerung. 
Gerade ist Jasminkas bester Kämpfer – und frisch gebackener Ehemann – kurz vor seinem ersten MMA-Weltmeisterkampf und der Film begleitet die beiden auf die gnadenlose Reise durch den blutigen Profisport. 
JASMINKAS GARTEN ist ein lebendiges Portrait über einen transkulturellen Mikrokosmos, an dem alte Wunden heilen können.
Directors Note
von Albin Wildner
Vor einigen Jahren reiste ich im Zuge von Recherchearbeiten für ein Spielfilm-Drehbuch nach Oberösterreich, um Jasminka zu ihrem Leben als Profi-Sportlerin zu befragen. Dort traf ich auf eine überaus ungewöhnliche, offene und selbstbestimmte Person: Initiatorin, Seele und ausstrahlungsstarke Energiespenderin für eine sehr eigenartige Community in einem von ihr gegründeten Kampfsportzentrum – untergebracht in einer ehemaligen Supermarktfiliale.
Ich war sofort fasziniert. Ein Weinbauer vom Land bringt seine Tochter in Jasminkas Training mit durchtrainierten Kampfsportprofis. Aus Kriegsgebieten geflüchtete Menschen und vom Leben Gezeichnete finden hier als kämpfende Sportler neues Selbstbewusstsein und soziale Geborgenheit. Es entsteht ein gemeinsamer Alltag an einem Ort, an dem man sich gegenseitig respektiert und sozialer Status kaum eine Rolle spielt – trotz oder vielleicht gerade wegen Jasminka als klarer Chefin. Die integrative Kraft dieses Ortes weckte in mir sofort den Wunsch, irgendwann einen Dokumentarfilm über diese Welt zu realisieren.
Wir filmten rein beobachtend und reagierend, ohne Regieanweisungen oder Unterbrechungen. Gedreht wurde mit einem sehr kleinen Team, was uns große Spontanität und Nähe zu den Figuren ermöglichte. Meistens kamen wir zu zweit: ich als Regisseur an der Kamera und Ines Vorreiter am Ton. Wir wirkten eher wie ein Paar, das auf Besuch kommt, als wie ein Filmteam – was der lockeren Atmosphäre sehr zugute kam.
Die Haupt-ProtagonistInnen waren mit Funkmikrofonen ausgestattet und gewöhnten sich bereits an den ersten Drehtagen an die mobile Schulterkamera, die oft sehr nah an sie herankommen konnte. Die Kamera beobachtete die Ereignisse weniger von außen; sie befand sich vielmehr mitten unter den ProtagonistInnen und ihren Beziehungen. Wir begleiteten die Figuren, um eine persönliche Perspektive zu schaffen, und drehten oft stundenlang in Bewegung. Dadurch erhielten auch außergewöhnliche Ereignisse – etwa der plötzliche Gewinn eines Weltmeistertitels – eine gewisse alltägliche Selbstverständlichkeit. In JASMINKAS GARTEN steht daher weniger die Spannung des Ausgangs im Zentrum als vielmehr das Momenthafte und Lebendige.
Neben den beobachtenden Szenen, die etwa 95 Prozent des Films ausmachen, enthält der Film auch Interviews, die ergänzend das erzählerische Gerüst bilden. Mir erschien es besonders wichtig, in diesem Film auch über die Vergangenheit sprechen zu können – etwas, das im Alltag sonst leicht untergehen würde. Die Interviews wurden ohne künstliches Filmlicht geführt, um eine möglichst unaufgeregte Situation zu schaffen. Da der Ort und die Körperlichkeit der Figuren eine zentrale Rolle spielen, entschied ich mich, alle Interviews ausschließlich in weiten Totalen zu drehen. Diese unemotionalisierte Form kontrastiert die Schwere der erzählten Schicksale und erschien mir passender als klassische Talking Heads.
Ich habe kurz darüber nachgedacht, den Film ganz ohne Interviews zu montieren. Dabei wurde jedoch schnell deutlich, dass ein großer Teil der biografischen Inhalte verloren gehen würde. Möglicherweise wäre eine rein beobachtende Form für manche Festivals formal interessanter gewesen – für mich stand jedoch die inhaltliche Erzählung und die Nähe zu den Figuren über den ästhetischen Überlegungen.
Im Schnitt gliedert sich JASMINKAS GARTEN in zwei Bereiche. Im ersten Teil geht es um Jasminka, die Gemeinschaft und den Ort, der für viele zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Zentral ist Jasminkas Rolle als Mentorin für junge Kämpfer sowie ihre enge Freundschaft mit der Bosnierin Emina – sichtbar etwa in dem gemeinsam angelegten Gemüsegarten hinter der Halle. Themen wie Heimat, Herkunft, Fluchterfahrung und Traumabewältigung werden hier sichtbar, während wir zugleich die Figuren und ihre Welt kennenlernen. Dieser Teil bildet gewissermaßen unser „Zuhause“.
Im zweiten Teil kommt Jasminkas Verlobter Daniel aus Brasilien nach Österreich. Jasminka übernimmt eine neue Aufgabe: Daniel zum Weltmeister zu machen. Dieser Abschnitt entwickelt eine stärkere dramatische Dynamik. Wir erleben Daniels Ankommen in einem fremden Land, die Hochzeit des Paares und begleiten sie auf dem Weg zu einem großen Kampfsportevent – etwas, wofür sie beide leben und brennen. Der Profisport gehört zu Jasminkas Leben einfach dazu - früher als aktive Profisportlerin und heute als Managerin und Trainerin. Der intensive Prozess der Kampfvorbereitung, inklusive des extremen Gewichtsverlusts vor dem Kampf, führt schließlich zum Gewinn des Weltmeistertitels auf einer kommerziellen Bühne. Diese Welt des professionellen Wettkampfs steht im Kontrast zu unserem „Zuhause“ in der Halle und bildet somit auch eine Antithese zu Jasminkas anti-hierarchischem Lebenskonzept.
Am Ende kehren wir wieder nach Hause zurück – in die Halle, zu Emina in den gemeinsamen Garten. Daniel hängt seinen Weltmeistergürtel zu den anderen Trophäen an die Wand. Über die gesamte Erzählung hinweg tauchen immer wieder zeitgeschichtliche Dokumente auf, die die persönlichen Geschichten in einen größeren historischen Kontext stellen.
Ziel für die Verwertung ist eine so breite Reise auf internationalen Filmfestivals wie möglich, die Knüpfung einer Partnerschaft mit einem Weltvertrieb und reguläre Kinostarts, in so vielen Regionen wie möglich. Im Anschluss soll der Film auf Streamingdiensten und im TV zu sehen sein. Für die Erreichung dieser Ziele wäre es entscheidend, den Film auf einer möglichst großen Bühne präsentieren zu können - besonders weil das Projekt leider ohne klassische Verwertungsförderung auskommen muss.
Die Produktion von JASMINKAS GARTEN entstand unter ungewöhnlichen Umständen. Die Dreharbeiten begannen 2020 während der Pandemie sehr spontan, ursprünglich auf Basis eines Kurzfilmkonzepts der Filmakademie Wien. Dadurch war das Projekt für klassische Förderwege für Langfilme – etwa beim ÖFI oder BMKÖS – bereits zu weit fortgeschritten, da diese Förderungen üblicherweise vor Drehbeginn beantragt werden müssen.
Schließlich erhielt der Film lediglich eine Förderung der Stadt Wien Kultur (MA7) in Höhe von 18.000 Euro – eine Unterstützung im studentischen Rahmen, ohne die der Film niemals hätte fertiggestellt werden können. Über einen sehr langen Zeitraum wurde JASMINKAS GARTEN in unzähligen unbezahlten Stunden behutsam und liebevoll fertiggestellt. Als die Dreharbeiten im Frühjahr 2020 begannen, hatte ich meine heutige Frau Marinela noch nicht einmal kennengelernt. Heute haben wir gemeinsam einen fast vierjährigen Sohn, Adrien.
„There’s still a review to come here.„ 
-Media, 2026
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